Was ist 24-Stunden-Pflege zu Hause?

Die 24-Stunden-Pflege zu Hause ermöglicht es Pflegebedürftigen, rund um die Uhr in der gewohnten häuslichen Umgebung betreut zu werden. Dieses Modell ist besonders für Personen mit hohem Pflegebedarf geeignet, wie bei Pflegegrad 4 oder 5 nach der Bewertung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Der MDK bewertet den Pflegebedarf anhand von sechs Modulen: Mobilität und Gang, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, krankheitsbedingte Anforderungen an die Pflege sowie Alltagsleben und soziale Kontakte.

Viele Familien wählen diese Form der ambulanten Pflege, um ein Pflegeheim zu vermeiden. Sie kombiniert oft Betreuungselemente (z. B. Haushaltshilfe) mit grundpflegenden Maßnahmen. Die Finanzierung erfolgt der Regel über Leistungen der Pflegeversicherung nach SGB XI: Pflegegeld (§ 37 SGB XI), Sachleistungen (§ 36 SGB XI), Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI), Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI) oder Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI). Für Pflegegrad 5 beträgt das Pflegegeld derzeit 947 € monatlich, Sachleistungen 2.200 €. Dennoch decken diese Beträge selten die vollen Kosten einer 24-Stunden-Betreuung ab – Familien müssen oft zuzahlen.

Empathisch betrachtet: Die Entscheidung für 24-Stunden-Pflege entlastet Angehörige enorm, birgt aber Herausforderungen wie Personalschlüssel und Integration in den Alltag. Vorab empfehlen wir eine unverbindliche Pflegeberatung nach § 7a SGB XI bei einem Pflegestützpunkt oder der Pflegekasse (z. B. AOK, TK, Barmer).

Die gängigen Modelle der 24-Stunden-Pflege

Es gibt drei Hauptmodelle: Entsendemodell, Arbeitgebermodell und Einsatz selbstständiger Pflegekräfte. Jeder Ansatz unterscheidet sich in Organisation, Kosten und Risiken.

Das Entsendemodell

Beim Entsendemodell vermittelt oder entsendet ein Pflegedienst (Ambulanter Pflegedienst) Kräfte zu Ihnen nach Hause. Der Dienst übernimmt Lohnabrechnung, Sozialversicherung und Haftung. Oft stammen die Kräfte aus EU-Ländern wie Polen oder Rumänien, was durch die EU-Entsenderichtlinie und das Arbeitnehmerentsendegesetz (AEntG) geregelt ist. Mindestlohn, Arbeitszeiten und Sozialstandards müssen eingehalten werden.

Vorteile: Hohe Flexibilität, Ersatzkraft bei Krankheit, Qualitätskontrollen. Nachteile: Höhere Kosten durch Serviceaufschlag (ca. 20–30 %). Personalschlüssel: Meist 2–3 Kräfte, die sich in 8–12-Stunden-Schichten abwechseln.

Das Arbeitgebermodell

Hier werden die Pflegekräfte direkt als Arbeitnehmer im Haushalt eingestellt. Familien führen den Lohn- und Sozialversicherungsvertrag, oft mit Unterstützung von Vermittlungsagenturen. Rechtlich geregelt durch das Haushaltsarbeitsgesetz und Minijob-Regelungen. Viele nutzen den Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI, 125 € monatlich) hierfür.

Vorteile: Persönlichere Bindung, potenziell günstiger. Nachteile: Hoher bürokratischer Aufwand (Lohnsteuer, Krankengeld), Risiko von Kündigungen. Empfehlung: Nutzen Sie Vorlagen der Minijob-Zentrale.

Selbstständige Pflegekräfte (Grauzone-Risiken)

Selbstständige Betreuerinnen arbeiten freiberuflich, oft über Plattformen. Dies ist rechtlich erlaubt, solange keine Scheinselbstständigkeit vorliegt (Urteile des Bundesarbeitsgerichts). Häufig aus dem osteuropäischen Raum, Kosten ab 2.000 € netto monatlich.

Warnung vor dem Graumarkt: Illegale Entsendung ohne AEntG-Konformität, Schwarzlohn oder Ausbeutung. Prüfen Sie Gewerbeanmeldung, Steuernummer und Verträge. Seriöse Kräfte haben Nachweise über Qualifikationen (z. B. Pflegefachkraft-Ausbildung).

Rechtliche Grundlagen der 24-Stunden-Pflege

Die 24-Stunden-Pflege unterliegt strengen Vorgaben. Das AEntG setzt Mindeststandards für entsandte Arbeitnehmer: Lohn nach Tarif (Pflegebranche ca. 13–16 €/Stunde brutto), 11 Stunden Ruhezeit pro Tag, Höchstarbeitszeit 48 Stunden/Woche. Die EU-Entsenderichtlinie (96/71/EG) gewährleistet gleiche Rechte wie einheimische Kräfte.

Pflegekassen prüfen die Abrechnung: Sachleistungen nur an zertifizierte Pflegedienste (§ 36 SGB XI). Bei Selbstständigen fließt oft Pflegegeld (§ 37 SGB XI) direkt an die Familie. Regionale Unterschiede: In Bayern gibt es z. B. ergänzende Landespflegegelder. Pflegedienste in Bayern listen qualifizierte Anbieter.

Qualifikationen: Pflegekräfte sollten eine anerkannte Ausbildung haben (z. B. Gesundheits- und Krankenpfleger nach Pflegeberufegesetz). Zertifizierungen wie ZQP (Zertifizierung Qualität in der Pflege) oder ISO 9001 signalisieren Qualität. Gewerbeaufsicht und Handwerkskammern überwachen Einhaltung.

Kostenübersicht und Finanzierungsoptionen

Realistische Kosten für 24-Stunden-Pflege liegen bei 2.000–3.500 € netto monatlich pro Person, abhängig von Modell und Region. Brutto-Stundenlohn: 15–25 €, plus Reisekosten und Servicegebühren.

PflegegradPflegegeld (€)Sachleistungen (€)Entlastungsbetrag (€)
2332761125
35731.432125
47651.778125
59472.200125

Zuzahlung: Oft 1.000–2.000 € monatlich. Ergänzend: Pflegehilfsmittel (§ 40 SGB XI), Pflegekurse (§ 45 SGB XI). Pflegekassen unterscheiden sich leicht (z. B. TK bietet Bonusprogramme). Tipp: Beantragen Sie Familienpflegezeit nach Pflegezeitgesetz für finanzielle Entlastung.

Qualitätskriterien und seriöse Anbieter finden

Wählen Sie Pflegedienste mit:

  • Zertifizierungen (ZQP, ISO)
  • Verbandsmitgliedschaft (z. B. Bundesverband ambulante Pflegedienste)
  • Transparente Verträge (Probezeit, Kündigungsfristen)
  • Referenzen und Haftpflichtversicherung

Nutzen Sie unser Verzeichnis mit 16.581 Anbietern in 1.812 Städten. Pflegedienste in Ihrer Region filtern nach Zertifizierung. Probieren Sie Schnupperpflege und sprechen Sie mit Pflegeberatungsstellen.

Checkliste: So organisieren Sie 24-Stunden-Pflege

  • MDK-Bewertung einholen (Pflegegrad beantragen)
  • Modelle vergleichen (Kostenrechner nutzen)
  • Verträge prüfen (AEntG-Konformität)
  • Probezeit vereinbaren (1–2 Wochen)
  • Pflegekasse informieren (Abrechnung sichern)
  • Notfallplan erstellen (Ersatzkraft)

Häufige Fallstricke vermeiden

Vermeiden Sie den Schwarzmarkt: Fehlende Sozialversicherung führt zu Nachzahlungen (bis 100.000 €, Finanzamt). Bei Streitigkeiten hilft die Schlichtungsstelle der Pflegekassen. In städtischen Regionen (z. B. Berlin, München) sind Wartezeiten länger – früh planen.

Zusammenfassend bietet 24-Stunden-Pflege Autonomie, erfordert aber Sorgfalt. Kontaktieren Sie uns für persönliche Beratung – wir unterstützen Sie auf PflegeWählen.de bei der Suche nach zuverlässigen ambulanten Pflegediensten.

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