Ambulante Pflege zu Hause oder stationäre Pflege in einem Pflegeheim? Diese Entscheidung trifft viele Familien, wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird. Beide Formen werden von der Pflegeversicherung nach SGB XI unterstützt, unterscheiden sich jedoch in Kosten, Alltagsgestaltung und Lebensqualität. In diesem Ratgeber vergleichen wir ambulante und stationäre Pflege detailliert. Wir beleuchten Eigenanteile, Vorteile für Unabhängigkeit und Familienbeteiligung sowie den Mittelweg der teilstationären Pflege. So finden Sie die passende Lösung für Ihre Situation.
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Was ist ambulante Pflege?
Ambulante Pflege wird von qualifizierten Pflegediensten direkt im eigenen Zuhause erbracht. Pflegekräfte kommen täglich oder mehrmals wöchentlich, um grundpflegendende Leistungen wie Waschen, Anziehen, Medikamentengabe oder Mobilitätsunterstützung zu übernehmen (§ 36 SGB XI). Die Betroffenen bleiben in vertrauter Umgebung, was Stress minimiert.
Die Pflegekasse übernimmt Sachleistungen je nach festgestelltem Pflegegrad (PG):
| Pflegegrad | Sachleistungen (monatlich, €) |
|---|---|
| PG 2 | 761 |
| PG 3 | 1.432 |
| PG 4 | 1.778 |
| PG 5 | 2.200 |
Alternativ kann Pflegegeld gewählt werden (§ 37 SGB XI), das Familienmitglieder oder private Pfleger entlohnt:
| Pflegegrad | Pflegegeld (monatlich, €) |
|---|---|
| PG 2 | 332 |
| PG 3 | 573 |
| PG 4 | 765 |
| PG 5 | 947 |
Zusätzliche Leistungen wie Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI, bis 1.612 €/Jahr), Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI, bis 1.774 €) oder Entlastungsbetrag (§ 45b SGB XI, 125 €/Monat) ergänzen das Angebot. Pflegedienste müssen zertifiziert sein, z. B. nach KTQ-Standards oder Mitglied im Bundesverband ambulante Pflegedienste (VAP).
Vorteile: Hohe Flexibilität, Erhalt des Alltagsrhythmus. Nachteile: Abhängigkeit von Pflegezeiten, höherer organisatorischer Aufwand für Familien.
Was ist stationäre Pflege?
Stationäre Pflege erfolgt rund um die Uhr in einem Pflegeheim (stationäre Einrichtung). Hier übernehmen Fachkräfte sämtliche Pflege- und Betreuungsaufgaben. Der Umzug bedeutet Verlust der häuslichen Umgebung, bietet aber 24/7-Überwachung und medizinische Versorgung.
Die Pflegekasse zahlt höhere Sachleistungen:
| Pflegegrad | Sachleistungen (monatlich, €) |
|---|---|
| PG 2 | 1.778 |
| PG 3 | 2.125 |
| PG 4 | 2.469 |
| PG 5 | 2.981 |
Der Bewohner trägt jedoch einen Eigenanteil für Wohnen, Verpflegung und Investitionen – durchschnittlich 2.000–3.500 € monatlich, abhängig von Region und Ausstattung. Dieser wird aus Rente, Vermögen oder Sozialhilfe finanziert. Pflegegeld kann nicht genutzt werden; stattdessen fließt es teilweise als Kostenersatz an die Einrichtung.
Qualitätsstandards wie DIN EN ISO 9001 oder ZQP-Zertifizierung sind üblich. Regionale Unterschiede bestehen, z. B. durch Landespflegegeld in Bayern oder Pflegewohngeld in anderen Ländern.
Vorteile: Konstante Betreuung, soziale Kontakte. Nachteile: Weniger Privatsphäre, Anpassungsschwierigkeiten.
Kostenvergleich: Eigenanteil und Finanzierung
Der Eigenanteil ist entscheidend. Bei ambulanter Pflege übernimmt die Kasse fast alles; Familien zahlen nur Zuzahlungen für Hilfsmittel (§ 40 SGB XI, z. B. Pflegebett ab 20 €/Monat). Gesamtkosten: Ca. 1.000–3.000 €/Monat je PG, meist kassenfinanziert.
Stationär verursacht höhere Ausgaben: Neben dem Eigenanteil fallen Umzugskosten oder Extras an. Rechnerisch: Bei PG 3 Sachleistung 2.125 € minus Kostenanteil ergibt Eigenanteil von 1.500–2.500 €. Pflegekassen wie AOK, TK oder Barmer bieten Beratung zur Kostenübernahme.
Tipp: Nutzen Sie die Pflegeberatung nach § 7a SGB XI bei Pflegestützpunkten, um Eigenanteile zu kalkulieren. Regionale Pflegekassen unterscheiden sich leicht in Pauschalen.
Vorteile und Nachteile: Lebensqualität und Unabhängigkeit
Lebensqualität und Unabhängigkeit
Ambulante Pflege fördert Autonomie: Der Betroffene bleibt in der eigenen Wohnung, pflegt Hobbys und soziale Kontakte. Die MDK-Begutachtung (§ 18 SGB XI) bewertet Module wie Mobilität, kognitive Fähigkeiten und Selbstversorgung – ambulant eignet sich bei guter häuslicher Mobilität.
Stationär bietet Sicherheit, reduziert aber Unabhängigkeit: Feste Zeiten, Gemeinschaftsräume. Studien zeigen höheres Wohlbefinden zu Hause, solange machbar.
Familienbeteiligung
In ambulanter Pflege sind Angehörige aktiv: Sie ergänzen Pflegedienste, nutzen Entlastungsbetrag für Kurse (§ 45 SGB XI). Stationär entlastet Familien vollständig, ermöglicht aber Besuche. Hybrid-Modelle mit Familienpflege sind möglich.
Wann ist ambulante oder stationäre Pflege die richtige Wahl?
Ambulante Pflege sinnvoll bei:
- Leichter bis mittlerer Pflegebedarf (PG 2–3)
- Gute häusliche Voraussetzungen (Treppenlift, barrierefrei)
- Starker Familien- oder Nachbarschaftsunterstützung
- Wunsch nach Heimatverbundenheit
Stationäre Pflege bei:
- Hohem Bedarf (PG 4–5)
- Nachtpflege nötig
- Alleinleben ohne Netzwerk
- Demenz mit Verhaltensauffälligkeiten
Prüfen Sie den Pflegegrad via MDK-Homevisit: Sechs Module (Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, krankheitsbedingte Anforderungen, Alltagsleben/soziale Kontakte) bestimmen die Leistungen.
Teilstationäre Pflege als Mittelweg
Teilstationäre Pflege (Tages- oder Nachtpflege, § 41 SGB XI) kombiniert beides: Tagsüber in der Einrichtung (10–12 Std./Tag), nachts zu Hause. Kosten: Ca. 40–80 €/Tag, kassenfinanziert bis 892 €/Monat (PG 2–5). Ideal für Entlastung, Demenz oder Übergang.
Vorteile: Erhalt der Heimat, soziale Integration. Ca. 2.000 Einrichtungen bundesweit, oft mit Verkehrsservice.
Entscheidungshilfe: Praktische Checkliste
Nutzen Sie diese Checkliste für Ihre Wahl:
- Pflegebedarf: PG? Nachtpflege nötig? [ ] Ambulant [ ] Stationär
- Wohnsituation: Barrierefrei? Allein? [ ] Ja [ ] Nein
- Finanzen: Rente > 2.000 €/Monat? Vermögen? [ ] Genug für Eigenanteil
- Familie: Verfügbarkeit? Belastbarkeit? [ ] Hoch [ ] Niedrig
- Wünsche: Zuhause bleiben? Gemeinschaft? [ ] Zuhause [ ] Einrichtung
- Testphase: Kurzzeitpflege (§ 42) oder Tagespflege ausprobieren?
Holen Sie unverbindliche Beratung bei der Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt ein. Vergleichen Sie Anbieter auf Qualität (Bewertungen, Besetzungsquote > 75 %).
Fazit: Individuelle Entscheidung treffen
Ambulante Pflege priorisiert Unabhängigkeit und Kostenersparnis, stationäre Sicherheit und Entlastung. Teilstationär verbindet Vorteile. Lassen Sie sich vom MDK einstufen und probieren Sie aus. Auf PflegeWählen.de finden Sie passende Pflegedienste – transparent, regional und bewertet.
Kontaktieren Sie uns für persönliche Beratung. Ihre Wahl beeinflusst das Wohlbefinden nachhaltig.
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