Was sind Pflegestützpunkte?

Pflegestützpunkte sind ein bundesweites Netzwerk von Beratungsstellen, das Familien und Pflegenden in der häuslichen Pflege unterstützt. Sie bieten kostenlose und unabhängige Beratung zu allen Fragen rund um die Pflege im Alter oder bei chronischen Erkrankungen. Finanziert vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG), richten sich diese Stützpunkte nach der aktuellen Rechtslage an Betroffene, Angehörige und professionelle Pflegende. Derzeit gibt es in Deutschland Hunderte solcher Punkte, deren Dichte jedoch je nach Bundesland stark variiert.

Im Gegensatz zu kommerziellen Angeboten sind Pflegestützpunkte neutral und verfolgen keine wirtschaftlichen Interessen. Sie helfen bei der Orientierung im komplexen System der Pflegeversicherung nach SGB XI, erklären Pflegegrade 1 bis 5 und unterstützen bei der Beantragung von Leistungen wie Pflegegeld (§ 37 SGB XI), Pflegesachleistungen (§ 36 SGB XI) oder Entlastungsbeträgen (§ 45b SGB XI). Besonders wertvoll ist ihre Rolle in der Frühphase, wenn eine MDK-Begutachtung (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) ansteht und Sie die sechs Module – Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung, krankheitsbedingte Anforderungen und Gestaltung des Alltagslebens – besser verstehen möchten.

Für Familien, die neu im Pflegesystem sind, dienen Pflegestützpunkte als erster Anlaufpunkt. Sie erhalten dort aktuelle Broschüren, Checklisten und Kontakte zu lokalen Ressourcen wie Pflegestützpunkten, ambulanten Pflegediensten oder Pflegekassen (z. B. AOK, TK, Barmer).

Welche Leistungen bieten Pflegestützpunkte an?

Die Beratung in Pflegestützpunkten ist umfassend und individuell. Kernangebote umfassen:

Individuelle Pflegeberatung

  • Erstgespräche: Klärung Ihrer Situation, z. B. bei Demenz, Mobilitätseinschränkungen oder nach einem Krankenhausaufenthalt.
  • Pflegeplanung: Unterstützung bei der Wahl zwischen häuslicher Pflege durch Angehörige, ambulante Pflegedienste oder stationäre Einrichtungen.
  • Finanzielle Beratung: Erklärung der Leistungen pro Pflegegrad, z. B. Pflegegeld bei Pflegegrad 2: 332 € monatlich; Sachleistungen: 761 €. Bei Pflegegrad 5: Pflegegeld 947 €, Sachleistungen 2.200 €. Auch Ergänzungen wie Verhinderungspflege (§ 39 SGB XI, bis 1.612 € jährlich) oder Kurzzeitpflege (§ 42 SGB XI, bis 1.774 €) werden detailliert besprochen.
  • Rechtliche Hinweise: Infos zu Pflegehilfsmitteln (§ 40 SGB XI), Landespflegegeld in Bayern oder Pflegewohngeld in anderen Ländern.

Gruppenangebote und Kurse

Viele Stützpunkte organisieren Pflegekurse nach § 45 SGB XI, die von der Pflegekasse gefördert werden (bis zu 15 Kurse pro Jahr). Themen: Umgang mit Demenz, Entlastungstechniken oder Ernährung in der Pflege. Zudem gibt es Selbsthilfegruppen und Webinare.

Vernetzung und Weitervermittlung

Pflegestützpunkte kooperieren mit Pflegestützpunkten, Ärzten, Therapeuten und Gilden wie dem Bundesverband der Träger der freien Wirtschaftspflege (BPT). Sie vermitteln zu zertifizierten ambulanten Pflegediensten, die nach DIN EN ISO 9001 oder dem Qualitätssiegel “Qualität in der Pflege” arbeiten. Auf Plattformen wie PflegeWählen.de finden Sie über 16.581 Pflegedienste in 1.812 Städten und allen 16 Bundesländern – ein guter Ergänzungsschritt nach der Stützpunktberatung.

Alle Leistungen sind kostenlos, vertraulich und ohne Wartezeit. Termine können vor Ort, telefonisch oder online vereinbart werden.

Unterschiede zur Pflegeberatung nach § 7a SGB XI

Nicht zu verwechseln mit der Pflegeberatung nach § 7a SGB XI, die von Ihrer Pflegekasse (z. B. DAK, Barmer) angeboten werden muss. Hier eine Übersicht:

AspektPflegestützpunktePflegeberatung § 7a SGB XI
AnbieterUnabhängige Träger (z. B. Caritas, AWO)Pflegekassen (AOK, TK etc.)
NeutralitätVollständig unabhängigKassenbezogen, kann zu eigenen Diensten führen
FormatVor-Ort-Treffen, Gruppen, KurseMeist telefonisch oder Hausbesuch
FokusBreite Beratung, VernetzungPflegegrad-Bewilligung, Leistungsplan
VerfügbarkeitRegional variabelBundesweit, aber oft zentral organisiert

Während § 7a-Beratung verpflichtend bei Pflegegrad-Bewilligungen ist und den Pflegebedarf vor der MDK-Begutachtung klärt, bieten Stützpunkte langfristige Begleitung. Nutzen Sie beide: Die Kassenberatung für formale Anträge, Stützpunkte für praxisnahe Tipps.

Verfügbarkeit und regionale Unterschiede in Deutschland

Die Verteilung der Pflegestützpunkte ist uneinheitlich. Nach aktueller Rechtslage müssen Bundesländer ein Mindestnetz sicherstellen, doch die Dichte schwankt:

  • Dicht besetzt: Bayern (über 200 Punkte, ergänzt durch Landespflegegeld), Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit guten Netzen in Städten wie München, Köln oder Stuttgart. Pflegedienste in Bayern profitieren von starker Infrastruktur.
  • Lücken: In Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt gibt es pro Kopf weniger Stellen – hier sind Online-Angebote oder mobile Beratung üblich.
  • Statistik: Derzeit ca. 550 Stützpunkte bundesweit, mit Fokus auf Ballungsräume. In ländlichen Regionen übernehmen oft Pflegestützpunkte oder kommunale Zentren.

Regionale Besonderheiten: In Hessen gibt es Spezialisierungen auf Demenz, in Berlin auf Multikulti-Pflege. Pflegekassen wie die TK bieten ergänzende Apps zur Stützpunkt-Suche.

So finden Sie Ihren lokalen Pflegestützpunkt – Schritt-für-Schritt-Anleitung

Checkliste: Vorbereitung auf den Termin

  • Notieren Sie Symptome und Alltagsherausforderungen (z. B. nach MDK-Modulen).
  • Mitbringen: Pflegegrad-Bescheid, Einkommensnachweise, Medikamentenliste.
  • Fragenliste erstellen: “Welche ambulanten Pflegedienste empfehlen Sie?” oder “Wie beantrage ich Entlastungsbetrag?”.

Suche und Kontakt

  1. Online-Portal: Besuchen Sie www.pflegestuetzpunkte.de – interaktive Karte mit PLZ-Suche.
  2. Telefonhotline: BMG-Hotline unter 0800 2 11 0 400 (kostenlos).
  3. Pflegekasse oder Hausarzt: Direkte Weitervermittlung.
  4. Lokale Suche: Über PflegeWählen.de filtern Sie nach Pflegedienste in Ihrer Region und fragen dort nach Stützpunkten.
  5. Termin vereinbaren: Meist innerhalb von 1–2 Wochen, auch außerhalb regulärer Zeiten.

Tipp: Bei Dringlichkeit rufen Sie an – viele bieten Sofortberatung.

Wann lohnt sich ein Besuch im Pflegestützpunkt?

Besonders empfehlenswert bei erster Pflegebedarfsermittlung, Demenzverdacht, Familienkonflikten oder Umzug in Pflegewohnung. Viele berichten von Entlastung durch klare Entscheidungswege: “Wählen Sie ambulante Pflege? Dann vergleichen Sie Dienste nach Qualitätszertifikaten.”

Nach der Beratung: Nutzen Sie unser Verzeichnis mit 16.581 Anbietern für transparente Auswahl. Pflegestützpunkte sind Ihr Tor zur selbstbestimmten Pflege – nutzen Sie dieses Angebot!

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